Musiktherapie

Musik spricht Menschen unabhängig von Alter, Begabung, kulturellem und gesellschaftlichem Hintergrund an.

Im Hören und Spielen von Klängen, Rhythmen, Harmonien und Melodien wird die Wahrnehmung vielfältig angeregt. Gefühle und Befindlichkeiten können ausgedrückt und mitgeteilt, Erlebens- und Verhaltensweisen spielerisch erkundet und erweitert werden. Kontakt und Begegnung werden auch dort möglich, wo die Sprache aus seelischen, körperlichen oder entwicklungsbedingten Gründen eingeschränkt ist oder vielleicht sogar ganz fehlt.

In der Musiktherapie wird Musik als vertiefendes Medium für Wahrnehmung, Ausdruck, Kommunikation und Verhalten eingesetzt, um individuelle Entwicklungs- und Wandlungsprozesse anzuregen und zu begleiten.

Methodik

Die Musiktherapie gründet auf Erkenntnissen und Erfahrungen aus Psychologie, Heilpädagogik, Psychotherapie und Medizin sowie Musikwissenschaft, Musikpsychologie und Musikpraxis.
Im Zentrum musiktherapeutischer Methodik stehen wechselseitige Resonanzprozesse in der therapeutischen Beziehung sowie die Fähigkeit, zuzuhören, individuelle Bedürfnisse wahrzunehmen, zu erkennen, zu verstehen und adäquat und feinfühlig darauf zu reagieren. Dies bildet die Basis aller musiktherapeutischen Interventionen.
Nebst dem Medium Musik (Improvisation, Lieder, komponierte instrumentale Musik) werden auch die Ebenen Sprache (Sprachspiele, Imaginationen, Gespräch) und Körper (Körperwahrnehmung, Entspannung, Bewegung) mit einbezogen. Psychodynamisch und funktional orientierte Vorgehensweisen ergänzen einander. Ausgehend von der therapeutischen Notwendigkeit wird aktiv (Pat. spielt, singt, bewegt sich zu Musik) und/oder rezeptiv (Th. spielt für Pat., dieser hört zu) gearbeitet. Wenn möglich und sinnvoll wird das nonverbal Erlebte im Gespräch ausgetauscht und reflektiert.

Anwendungsgebiete

Musiktherapie wird auf Basis spezifischer Indikationsstellungen bei Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und alten Menschen in verschiedenen klinischen Praxisfeldern der Psychiatrie, Medizin, Heilpädagogik und Rehabilitation sowie in der ambulanten Praxis angewendet.
In der Kinderklinik des Inselspitals Bern wird die Musiktherapie auf den Abteilungen Neonatologie und Hämato-Onkologie angeboten.

Musiktherapie für frühgeborene Kinder und ihre Eltern auf der Abteilung Neonatologie

„Gesang ist die eigentliche Muttersprache des Menschen.“
Yehudi Menuhin

Der Hörsinn ist einer der ersten Sinne, der im Mutterleib entwickelt wird. Das Kind im Mutterleib hört bereits die Stimme der Mutter und des Vaters, den mütterlichen Herzschlag sowie ihr rhythmisches Pulsieren des Blutes. Diese rhythmischen Klänge vermitteln Geborgenheit und fördern die (Gehirn-) Entwicklung. Bei einer Frühgeburt verlässt das Kind diese Klangwelt zu früh und ist einer intensivmedizinischen Umgebung mit überwiegend maschinellen Tönen ausgesetzt. Um sowohl der Gefahr der Überreizung als auch der Gefahr der Reizarmut entgegenzuwirken, wird auf der Abteilung Neonatologie Musiktherapie angeboten. Ziel der Therapie ist dabei, den Kindern beruhigende oder anregende Hör- und Sinneserfahrungen zu vermitteln, um sie zu fördern ohne zu überfordern. Zahlreiche Studien belegen die positive Wirkung der Musik auf die frühgeborenen Kinder. Musiktherapie unterstützt die Kinder dabei,

  • sich zu entspannen,
  • sich zu stabilisieren,
  • ruhiger und regelmässiger zu atmen,
  • ruhiger und tiefer zu schlafen,
  • wahrzunehmen und sich zu orientieren.

Neben dem musiktherapeutischen Angebot für das Kind werden die Eltern dabei unterstützt, Kontakt zu ihrem Kind aufzubauen, indem sie mit ihm sprechen, für es summen oder singen. So kann die elterliche stimmliche Zuwendung zu einem gemeinsamen positiven Erleben führen, das die Beziehung zwischen Eltern und Kind stärkt - von Anfang an. Die Musiktherapie unterstützt Eltern dabei,

  • die Eltern-Kind-Bindung aufzubauen und zu stärken,
  • Vertrauen in die intuitiven elterlichen Fähigkeiten zu entwickeln und zu vertiefen,
  • In Entspannung zu gehen,
  • Innigkeit, Interaktion und Verbundenheit mit dem Kind zu erleben.

Die Musiktherapie findet in der Regel während der Känguru-Methode statt, bei dem Eltern und Kind in engem Hautkontakt sind, kann aber auch ohne Beisein der Eltern durchgeführt werden. Die Musiktherapie wird von der Stiftung Art-Therapie mitfinanziert.

Tamara Ziegler

Musiktherapeutin BA
Musikpädagogin MA

Universitätsklinik für Kinderheilkunde
Abteilung Neonatologie
Inselspital, Universitätsspital Bern, Friedbühlstrasse 19, 3010 Bern
Email: tamara.ziegler@insel.ch

Musiktherapie für Kinder, Jugendliche und ihre Eltern in der pädiatrischen hämato-onkologischen Abteilung

„Musik drückt aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist“.
Victor Hugo

Gerade im Kontext einer Krebserkrankung mit ihren emotionalen Belastungen und Herausforderungen erhält diese Aussage eine besondere Bedeutung. Kinder drücken Gefühle vielfach nonverbal, etwa körperlich über Stimmklang- und Lautstärke, über Gestik und Mimik, über ihr Verhalten und über ihr Spiel aus. Zur Verarbeitung ihrer Erkrankung brauchen sie die Möglichkeit, die Erlebnisse sowie ihre tiefen Empfindungen und Gefühle in einem ihnen angemessenen Medium auszudrücken. Musiktherapie ermöglicht ein ressourcenförderndes, lustvolles Experimentieren, aber auch Ausdrücken von schmerzlichen Erfahrungen.

Musik regt zu Kommunikation an und vermag es, Brücken zu bauen, wo die Sprache verstummt, sie ermöglicht Begegnung und Nähe. Sie

  • ist ein Beziehungsangebot im musikalisch-spielerischen Bereich zur Förderung der Krankheitsverarbeitung,
  • ermöglicht emotionalen Ausdruck zur Entlastung und Verarbeitung des Erlebten,
  • fördert das Aktivieren von Ressourcen und positivem Erleben auch im Eltern – Kind – Kontext,
  • stärkt das Selbstgefühl, die Selbstwirksamkeit und Autonomie,
  • fördert die Kommunikation in Beziehungen.

Um ganz auf die individuelle emotionale Situation der Kinder und Jugendlichen eingehen zu können, wird Musiktherapie in diesem Kontext als Einzeltherapie angeboten. Eltern und Geschwister sind dabei willkommen. Je nach Befindlichkeit und Absprache findet Musiktherapie im Zimmer, am Bett oder im Spielzimmer statt. Die Musiktherapie wird über den Arche Fonds für Krebskranke Kinder finanziert.

Astrid Lorz

Musiktherapeutin MAS Klinische Musiktherapeutin
Eidg.anerk.Psychotherapeutin

Universitätsklinik für Kinderheilkunde
Pädiatrische Hämatologie Onkologie
Inselspital, Universitätsspital Bern, Freiburgstrasse 15, 3010 Bern
Email: astrid.lorz@insel.ch